Waffenverbot in Berlins Verkehrsmitteln
Waffenverbot in Berlins Verkehrsmitteln, Foto: pixabay

Seit Donnerstag gelten in Berlin strengere Regeln zur Mitnahme von Waffen im öffentlichen Nahverkehr. Betroffen sind alle Verkehrsmittel wie Busse, U-Bahnen, S- und Regionalbahnen sowie Straßenbahnen – einschließlich der dazugehörigen Bahnhöfe und Haltestellen. Der Berliner Senat reagiert damit auf eine Zunahme gewalttätiger Vorfälle, insbesondere mit Messern.

Inhaltsverzeichnis:

Verbot für Messer und Reizstoffwaffen im gesamten Berliner Nahverkehr

Die neue Verordnung untersagt das Mitführen sämtlicher Messer – unabhängig von der Klingenlänge – sowie von Schusswaffen, Reizstoffwaffen und Signalpistolen im gesamten Öffentlichen Personennahverkehr.

Das Verbot gilt in:

  • S-Bahn
  • U-Bahn
  • Regionalbahn
  • Straßenbahn
  • Bus
  • Allen Bahnsteigen, Haltestellen und Bahnhofsgebäuden

Auch Taschenmesser und Küchenmesser sind betroffen. Eine Sonderregelung für das Tragen mit "Kleinem Waffenschein" greift nicht mehr – auch damit bleibt das Mitführen verboten. Die Behörden verzichten auf neue Hinweisschilder. Kontrollen erfolgen durch die Berliner Polizei, die jetzt auch ohne konkreten Verdacht tätig werden darf.

Verbot des Besitzes von Messern
Verbot des Besitzes von Messern, Foto: pixabay

Ausnahmen für Polizei, Personal und bestimmte Berufe

Es bestehen jedoch klar definierte Ausnahmen. Einsatzkräfte der Polizei, Feuerwehr, des Rettungsdienstes und Katastrophenschutzes dürfen weiterhin Waffen und Messer tragen.

Zudem sind folgende Gruppen vom Verbot ausgenommen:

  1. Angestellte in Bahnhofsgebäuden, z. B. Gastronomiepersonal oder Friseure, die Messer beruflich benötigen.
  2. Kundinnen und Kunden von Imbissbetrieben, wenn sie Messer zum Verzehr benutzen.
  3. Sportler und Jäger, sofern das Messer Teil ihrer Ausrüstung ist – unter Einhaltung des Waffengesetzes.
  4. Personen, die ein Messer nicht zugriffsbereit transportieren, etwa originalverpackt nach dem Kauf.

Ein Messer gilt als „nicht zugriffsbereit“, wenn es nur mit mehr als drei Handgriffen erreicht werden kann. Auch bei allgemein anerkannten Zwecken – etwa dem Schneiden von Lebensmitteln im Park – kann das Mitführen erlaubt sein, sofern die Situation dies rechtfertigt.

Das Verbot gilt nicht für Restaurants
Das Verbot gilt nicht für Restaurants, Foto: pixabay

Pfefferspray bleibt mit Einschränkungen erlaubt

Reizstoffwaffen – inklusive Pfefferspray – sind grundsätzlich im ÖPNV verboten. Eine Ausnahme bilden Dosen mit der Aufschrift "Nur zur Tierabwehr". Sie sind auch weiterhin erlaubt, da sie nicht zur Anwendung gegen Menschen bestimmt sind.

Strafen bis zu 10.000 Euro und flächendeckende Kontrolle

Wer gegen das Verbot verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Die Strafen können folgende Formen annehmen:

Verstoßart Mögliche Konsequenz
Mitführen eines Messers oder einer Waffe Geldstrafe bis zu 10.000 Euro
Mitführen trotz "Kleinem Waffenschein" Waffe kann zusätzlich eingezogen werden
Nicht zugriffsbereites Messer (erlaubt) Keine Strafe

Die Berliner Polizei ist zuständig für die Einhaltung der Vorschriften. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kündigten an, die Kontrollen bestmöglich zu unterstützen.

Hintergrund: Messerattacke in Charlottenburg als Auslöser

Der Berliner Senat nennt mehrere Gründe für das Verbot. Ein tödlicher Messerangriff am 12. April 2025 in einer U-Bahn der Linie U12 in Charlottenburg war ein zentraler Auslöser. Auch weitere Gewalttaten im Nahverkehr hätten gezeigt, dass Waffen in beengten Räumen ein hohes Gefahrenpotenzial darstellen.

Laut Polizeilicher Kriminalstatistik stieg die Zahl der Messerangriffe im Berliner ÖPNV in den letzten drei Jahren deutlich. Die registrierten Fälle lagen in der Spitze bei 324 pro Jahr. Daten aus früheren Jahren wurden nicht veröffentlicht.

Mit der neuen Verordnung will die Berliner Regierung das Sicherheitsniveau im Nahverkehr dauerhaft erhöhen. Die Regelung ist nicht befristet und gilt flächendeckend. Frühere Verbote betrafen nur einzelne Stationen wie den Görlitzer Park, das Kottbusser Tor oder den Leopoldplatz – nun ist ganz Berlin betroffen.

 Quelle: RBB24