Erzieherinnen in Berlin am Limit
Erzieherinnen in Berlin am Limit, pixabay/Foto illustrativ

Fast 90 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher in Berliner städtischen Kitas fühlen sich stark überlastet. Die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi unter den Beschäftigten der Berliner Eigenbetriebe zeigen deutlich: Die Lage in den Einrichtungen ist weiterhin kritisch. Besonders alarmierend ist, dass 98 Prozent der Befragten ihren eigenen beruflichen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden können.

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Belastung bei Tina Böhmer und Kita-Personal bleibt extrem

Tina Böhmer, zuständige Gewerkschaftssekretärin für die Berliner Kita-Eigenbetriebe, beschreibt die Situation als weiterhin krisenhaft. Die Arbeitsbelastung sei konstant hoch, und die angekündigten Maßnahmen der Berliner Bildungssenatorin würden nicht ausreichen. Die Erwartungen an politische Reformen seien enttäuscht worden.

Verdi befürchtet, dass die angekündigten Verbesserungen nicht greifen. Im Gegenteil – es bestehe die Gefahr, dass die Qualität der Arbeit in Kitas weiter sinkt. Besonders problematisch sei die laufende Diskussion um die Finanzierung der Einrichtungen, die zu neuen Kürzungen führen könnte. Im Fokus steht der sogenannte Personalkostenbasiswert, der möglicherweise gesenkt werden soll.

Günther-Wünsch kündigt Verbesserung an

Im Februar hatte Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) eine Entlastung beim Betreuungsschlüssel angekündigt. Ab dem kommenden Jahr soll eine Fachkraft rechnerisch nur noch vier Kleinkinder (0 bis 3 Jahre) betreuen – bislang waren es fünf. Diese Maßnahme wurde als Reaktion auf die sinkende Zahl an Kita-Kindern in der Hauptstadt präsentiert.

Ziel sei es, durch die freigewordenen pädagogischen Fachkräfte den Personalschlüssel zu verbessern. Trotz rückläufiger Kinderzahlen sollen die pädagogisch ausgebildeten Beschäftigten weiter beschäftigt bleiben. Günther-Wünsch setzt dabei auf eine gezielte Umverteilung vorhandener Ressourcen.

Verdi warnt vor Personalabbau und Qualitätsverlust

Verdi hält die bisherigen Schritte nicht für ausreichend. Die Gewerkschaft warnt davor, dass durch finanzielle Engpässe bald verstärkt gering qualifiziertes Personal eingesetzt werden könnte. Eine Senkung des Personalkostenbasiswerts würde den Druck auf Träger und Einrichtungen erhöhen.

Folgende Gefahren sieht die Gewerkschaft:

  1. Verschlechterung des Fachkraft-Kind-Schlüssels trotz politischer Ankündigungen.
  2. Einstellung von Personal mit geringerer Qualifikation.
  3. Erhöhter Stress für bestehende Beschäftigte.
  4. Weitere Abwanderung von Fachkräften aus dem Beruf.

Mehr als die Hälfte der befragten Beschäftigten gab an, dem eigenen professionellen Anspruch nicht mehr gerecht zu werden. Die Erzieherinnen und Erzieher beklagen fehlende Zeit für individuelle Betreuung und pädagogische Planung. Auch administrative Aufgaben würden zunehmen, was zulasten der Kinder gehe.

Druck auf Berliner Politik wächst

Die Zahlen des Realitätschecks und die Einschätzung von Tina Böhmer erhöhen den Handlungsdruck auf den Berliner Senat. Die Herausforderungen sind strukturell, nicht kurzfristig lösbar. Verdi fordert verbindliche Zusagen zur Personalfinanzierung, klare Qualitätsstandards und langfristige Investitionen.

Ob die angekündigten Reformen von Bildungssenatorin Günther-Wünsch greifen, bleibt abzuwarten. Die Kitas der Hauptstadt stehen weiter unter Beobachtung – von Beschäftigten, Eltern und Öffentlichkeit.

 Quelle: RBB24