Lehrkräfte in Berlin bangen um ihre Zukunft
Lehrkräfte in Berlin bangen um ihre Zukunft, Foto: Pixabay/Pixabay-Lizenz

In Berlin wächst die Sorge unter Lehrkräften öffentlicher Musikschulen. Etwa 2000 Musiklehrerinnen und Musiklehrer bangen um ihre Jobs, weil im Doppelhaushalt 2026/2027 keine zusätzlichen Mittel vorgesehen sind. Das Thema beherrschte eine Personalversammlung in Pankow. Die Unsicherheit ist groß, besonders weil eine wichtige Übergangsregelung Ende 2026 ausläuft.

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Katja Höllein warnt vor ungewisser Zukunft

In der Musikschule am Schlosspark Pankow sprach die stellvertretende Leiterin Katja Höllein offen über die Lage. Mehr als 70 Personen, davon rund 50 vor Ort und 20 online, verfolgten die Versammlung. Höllein erklärte, dass es keinen offiziellen Ausblick gebe. Nur eine befristete Lösung bis Ende 2026 sei vorhanden. Danach wisse niemand, wie es weitergeht – weder Kinder noch Verwaltung.

Die Diskussionen in Pankow zeigen, wie stark die Berliner Kulturlandschaft von Sparmaßnahmen betroffen ist. Ähnliche finanzielle Engpässe treffen derzeit auch andere Einrichtungen, wie die sozialen Träger der Stadt. Mehr dazu unter Kürzungen im Berliner Haushalt.

Unsichere Verträge und niedrige Einkommen

An den zwölf öffentlichen Musikschulen der Stadt werden rund 63.000 Kinder unterrichtet. Nur ein Viertel der etwa 2500 Lehrkräfte ist fest angestellt. Der Rest arbeitet auf Honorarbasis. Diese Beschäftigungsform führt zu deutlichen Nachteilen. Eine feste Lehrkraft verdient rund 5000 Euro monatlich, während Honorarkräfte bei gleichem Aufwand kaum 3300 Euro erreichen.

Hinzu kommen fehlende Sozialleistungen. Bei Krankheit gibt es in den ersten drei Tagen kein Ausfallhonorar. Viele Lehrkräfte erhalten nur befristete Verträge über sechs Monate. Laut einem Urteil des Bundessozialgerichts von 2022 erfüllen zahlreiche dieser Arbeitsverhältnisse die Kriterien der Scheinselbstständigkeit. Trotzdem bleibt Berlin in der Umsetzung hinter anderen Bundesländern zurück.

Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen wie Handwerkern erscheinen die Verdienste gering. Ein Klavierlehrer erhält oft weniger als ein Klempner, der 59 Euro pro Stunde verlangt.

Robert Starke und der Kampf um faire Bedingungen

Einer der betroffenen Lehrkräfte ist Robert Starke, der in Pankow Klavier unterrichtet. Seine 24 Wochenstunden entsprechen einer Vollzeitstelle. Trotz zusätzlicher Auftritte als Konzertpianist ist er auf das Unterrichtseinkommen angewiesen. Er betont, dass die Bezahlung für Selbstständige zu niedrig sei.

Viele Kolleginnen und Kollegen stimmten ihrer Selbstständigkeit zu, um den Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Vier Lehrkräfte verweigerten jedoch die Unterschrift unter die sogenannte Zulassungserklärung. Seitdem erhielten sie keine Schüler mehr. Die Angst vor Konsequenzen ist groß, weshalb nur wenige offen sprechen.

Berlin kämpft gleichzeitig mit generellem Lehrkräftemangel. Mehr Informationen zum Thema finden Sie unter Berlin kämpft mit Lehrkräftemangel.

Finanzielle Belastung für das Land Berlin

Die vollständige Festanstellung aller Musiklehrkräfte würde die Stadt jährlich rund 20 Millionen Euro mehr kosten. Die Senatsverwaltung für Kultur kann derzeit nicht sagen, ob diese Mittel bereitgestellt werden. Ein Sprecher erklärte, dass darüber erst im Parlament entschieden werde.

Laut Planungszielen sollen zwölf Unterrichtsstunden pro 1000 Einwohner angeboten werden. Pankow erreicht jedoch nur etwa sieben Stunden. Etwa 3000 Kinder warten dort auf freie Plätze.

Die Situation erinnert an andere wirtschaftliche Herausforderungen der Stadt, darunter steigende Ausgaben und Tarifkosten. Auch der Mindestlohn wird schrittweise erhöht – weitere Details gibt es unter Mindestlohn steigt in zwei Stufen bis 2027.

Zusammengefasst bedrohen fehlende Haushaltsmittel hunderte Lehrstellen an Berlins Musikschulen. Ohne politische Entscheidung könnte das kulturelle Bildungsangebot der Hauptstadt stark eingeschränkt werden. Die kommenden Haushaltsberatungen werden entscheidend sein.

Standorte der Musikschulen in Berlin ansehen:

Karte: Google Maps

Quelle: Berliner Zeitung