Der Lehrkräftemangel an Berliner Schulen spitzt sich kurz vor Beginn des neuen Schuljahres weiter zu. Nur rund 17 Prozent der bis Anfang August neu eingestellten Lehrkräfte verfügen über ein abgeschlossenes Lehramtsstudium. Die Bildungsverwaltung setzt daher verstärkt auf Studierende, Quereinsteiger und pensionierte Lehrerinnen und Lehrer.
Inhaltsverzeichnis:
- Franziska Brychcy warnt vor Folgen
- Zahlen der Bildungsverwaltung
- Reaktionen und offene Verfahren
- Engpässe in Berliner Schulen
Franziska Brychcy warnt vor Folgen
Die Bildungsexpertin der Linken, Franziska Brychcy, spricht von einer dramatischen Situation. Nach ihren Berechnungen fehlen im kommenden Schuljahr rund 1.500 voll ausgebildete Lehrkräfte. Ihrer Ansicht nach trägt dazu auch die schwarz-rote Regierungskoalition bei, da im Haushaltsentwurf Mittel für die Grundfinanzierung der Hochschulen sowie für die Lehrkräftebildung gekürzt werden. Sie warnte, dass dies die Zahl der Absolventinnen und Absolventen in den kommenden Jahren weiter reduzieren werde.
Zahlen der Bildungsverwaltung
Bis zum 1. August gingen laut Bildungsverwaltung 952 Bewerbungen von voll ausgebildeten Lehrkräften ein. Knapp 700 dieser Personen nahmen das Angebot an. Im Vorjahr waren es noch etwas mehr als 1.000. Der tatsächliche Bedarf liegt jedoch deutlich höher. Für das neue Schuljahr werden insgesamt 4.161 Vollzeiteinheiten benötigt.
Die Verwaltung setzt deshalb auf verschiedene Gruppen:
- fast 2.000 Lehramtsstudierende mit befristeten Verträgen
- knapp 300 pensionierte Lehrkräfte im aktiven Dienst
- 184 Quereinsteiger mit Arbeitsvertrag
Bei den Quereinsteigern gab es fast 580 Bewerbungen. Damit erhielt nur etwa jede dritte Person eine Stelle.
Reaktionen und offene Verfahren
Brychcy kritisierte zudem, dass die Bildungsverwaltung den Bedarf rechnerisch verschleiere. So würden Referendarinnen und Referendare mehr Unterrichtsstunden übernehmen müssen, Lehrkräftestellen umgewandelt und Stunden für die Qualitätsentwicklung gestrichen. Die Bildungsverwaltung weist diese Vorwürfe zurück. Ein Sprecher betonte, dass die Einstellungsverfahren noch laufen und belastbare Zahlen erst im Verlauf des Schuljahres vorliegen werden.
Engpässe in Berliner Schulen
Die Lage bleibt angespannt. Die Zahl der neu gewonnenen Fachkräfte reicht nicht aus, um die wachsende Nachfrage zu decken. Mehr als 4.000 Stellen müssen besetzt werden, doch nur ein Teil entfällt auf regulär ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. Berlin ist damit erneut stark auf Quereinsteiger, Studierende und Pensionäre angewiesen.
Quelle: RBB24